Erstes Grimm-Märchen seit 200 Jahren dank Künstlicher Intelligenz

Erstes Grimm-Märchen seit 200 Jahren dank Künstlicher Intelligenz
(Bildquelle: (c) calm)

San Francisco, 25. April 2018. „Die Prinzessin und der Fuchs“ – so lautet der Titel des ersten Grimm-Märchens seit mehr als 200 Jahren. Die Geschichte wurde jedoch nicht posthum in irgendeinem versteckten Nachlass entdeckt, sondern ist viel mehr die erste Gute-Nacht-Geschichte auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI). Um den Stil der Märchenerzähler nahezu perfekt zu imitieren, wurde ein prognostischer Text-Algorithmus mit den Geschichten und Märchen der Gebrüder Grimm gefüttert und trainiert. Das neue Märchen wurde jüngst als „Einschlafgeschichte“ in der Meditations- und Schlaf-App Calm (Apples App des Jahres 2017 in den USA) veröffentlicht. Umgesetzt wurde die Auftragsarbeit von Botnik, einer Gruppe von Schriftstellern, Künstlern und Programmierern. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht mit Hilfe maschineller Intelligenz neue Formen kreativen Schreibens zu schaffen.

„Man könnte es eine Form des literarischen Klonens nennen“, sagt Michael Acton Smith, Mitgründer von Calm. Er hatte die neue Geschichte im Grimm-Stil in Auftrag gegeben und sie als neueste der mehr als 90 Einschlafgeschichten der App veröffentlicht. „Wir sind für die Gebrüder Grimm, was Jurassic Park für die Dinosaurier ist“, sagt Acton Smith. „Wir erwecken sie mit moderner Wissenschaft zum Leben – allerdings mit einem Happy End.“

Von den längst verstorbenen deutschen Brüdern Grimm, die Klassiker wie Aschenputtel, Rapunzel und Hänsel und Gretel für die Nachwelt aufgeschrieben haben, kommt jetzt dank künstlicher Intelligenz ein neues Meisterwerk: die Prinzessin und der Fuchs. Die Geschichte erzählt von einem König, einer verlassenen Prinzessin und einem armen Müllersohn. Ein sprechender Fuchs hilft dem kleinen Müllersohn, die schöne Prinzessin vor dem Schicksal zu retten, einen schrecklichen Prinzen zu heiraten. Selbstverständlich beginnt auch dieses Märchen mit „Es war einmal“. Es umfasst etwa 1.500 Wörter. „Es ist das verloren gegangene Grimm-Märchen, alt und neu zugleich“, so Alex Tew, Mitgründer von Calm. „Es ist eine Form des Geschichtenerzählens, die man so bisher noch nicht kennt“.

Mit Künstlicher Intelligenz zu neuen literarischen Formaten

Die neue Geschichte ist das Produkt der Zusammenarbeit von Maschine und Mensch, genauer: Maschine und Menschen. Denn möglich wurde das durch ein internationales Team, bestehend aus Calm und Botnik, einer Gruppe von Schriftstellern, Künstlern und Programmierern, die in den letzten Monaten immer wieder durch ungewöhnliche Geschichten auf sich aufmerksam gemacht hat. So hat Botnik unlängst mit Unterstützung seiner KI-Software ein Kapitel aus einem neuen, bewusst seltsam, aber stilistisch sehr echt klingenden Harry-Potter-Buch namens „Harry Potter and The Portrait of What Looked Like A Large Pile of Ash“ geschrieben.

Nachdem auch Google inzwischen in Kooperation mit der Stanford University romantische Poesie auf Basis Künstlicher Intelligenz erzeugt hat, stellt sich die Frage: Haben literarische Roboter tatsächlich eine Zukunft? Und was kommt als nächstes? Ein neues Shakespeare Stück aus der Feder Künstlicher Intelligenz? „Alles scheint jetzt möglich“, sagt Alex Tew von Calm.

Die intelligente Tastatur weist den Weg in Grimms Märchenwelt

Calm hat Botnik mit der Schulung seines prognostischen Textprogramms namens Voicebox (https://www.voicebox.com/) beauftragt. Das Programm arbeitet ähnlich wie die automatischen Textergänzungen bei der Eingabe auf mobilen Endgeräten oder bei Suchmaschinen, schlägt aber stattdessen Wörter und Sätze vor, die der Schreibe des jeweiligen Autors entsprechen. In diesem Fall den Formulierungen der Grimms. „Die Schriftsteller nahmen die Formulierungen und Sätze, die vom Textprogramm vorgeschlagen wurden, und haben diese zu einem groben Plot zusammengesetzt“, beschreibt Jamie Brew, CEO von Botnik und einer der drei am neuen Grimm-Märchen beteiligten Schriftsteller. „Wir haben dann die Lücken gefüllt – entweder mit weiteren algorithmischen Vorschlägen unserer KI-Tastatur oder unseren eigenen“, so Brew weiter.

Drei Autoren und eine Maschine

Das Ergebnis ist eine neue Geschichte ganz im Stil und in der Tonalität der Gebrüder Grimm – allerdings mit einer weniger gruseligen Handlung als die meisten Grimm-Geschichten. Die Gebrüder Grimm benutzten Feder und Tinte – Botnik und Calm benutzten ein Computerprogramm und menschliche Intuition, um Muster in der Schrift der Grimms zu finden und diese Muster durch prädiktive Textvervollständigung zu replizieren. Dazu hat Botniks Programm zunächst ein internes Modell entwickelt, das die gebräuchlichsten Wörter und Wortfolgen aus dem Ausgangsmaterial der Gebrüder Grimm verwendet. Aus diesen Daten hat Botnik eine „prädiktive Tastatur“ entwickelt, die die Texteingaben analysierte und Wortfolgen vorschlug, die dem Stil der Gebrüder Grimm stark ähnelten. Das dreiköpfige Autorenteam komponierte dann Sätze, indem es die Wortvorschläge aus Botniks prognostischer Software übernahm. Dabei folgten sie dem natürlichen Verlauf der Sprache der Gebrüder Grimm und nutzte diese zur Beschreibung neuer Charaktere und Situationen.

„Das ‚Ping-Pong‘ zwischen maschinellen und menschlichen Eingaben zog sich durch den gesamten Schreibprozess. Die Botnik-Autoren haben die Ergebnisse des Vorhersagealgorithmus, ihre eigenen Intuitionen und das Feedback ihrer Redakteure bei Calm miteinander kombiniert, um so die endgültige Geschichte zu gestalten“, sagt Brew. „Die finale Geschichte ist also nicht einer einzelnen Maschine oder einem Autor zu verdanken, sondern dem gesamten, miteinander verbundenen Prozess der Inspiration und Interpretation von Menschen und Maschine.“

Weitere Informationen in englischer Sprache finden sie hier.

Audio-Mitschnitte der Einschlafgeschichte (ebenfalls in Englisch) gibt es hier.

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